
Bildquelle und weitere Infos: heise.de
Die Politik ist offenbar lernresistent. ZensUrsula von der Leyen wollte als Familienministerin nach dem Vorbild Schwedens, Dänemarks und anderer Länder kinderpornografische Sites im Internet für weniger pfiffige Internet-User mit einem Stopschild sperren. Etwas pfiffigere User konnten zahlreiche Anleitungen zur Umgehung solcher simplen Sperren im Internet nachlesen - die Wirkung der Sperren wäre also nahe Null gewesen. Erfreulicherweise hat damals die FDP als Regierungspartner durchgesetzt, diesen Unfug zu vermeiden und vorgegeben, statt der unwirksamen Netzsperren die Löschung solcher krimineller Seiten anzugehen.
Nur ein Jahr später machte sich die schwedische Komissarin für Innenpolitik der Europäischen Kommission, Cecilia Malmström, erneut stark für Internetsperren. Jetzt hat ein Ausschuss des Europäischen Parlaments diesem EU-Kommissions-Schwachsinn einen Riegel vorgeschoben: Er hat über eine »Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates „zur Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung von Kindern sowie der Kinderpornografie“ abgestimmt. Dabei sprach sich der Ausschuss deutlich gegen eine Verpflichtung der Mitgliedsstaaten zum Sperren von Webseiten aus. Stattdessen müssen alle Mitgliedsstaaten ihre Bemühungen zum Löschen von Webseiten, die Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern zeigen, verstärken.« Immerhin zeigt sich das Parlament lernfähig.
Der AK Zensur argumentiert: »Wer im Kampf gegen Kinderpornografie im Internet weiter auf die wirkungslosen Sperren setzt, duldet damit die weitere Verbreitung der Missbrauchs-Bilder und schafft gleichzeitig eine Infrastruktur für Internet-Zensur. Wie man eine solche auch einsetzen kann, haben uns in den letzten Tagen Tunesien, Ägypten und der Iran vorgeführt. Nur das Löschen ist rechtsstaatlich, nachhaltig und funktioniert. Zum Beispiel konnten wir innerhalb von 30 Minuten einschlägige Webseiten löschen, die seit Jahren in Dänemark nur notdürftig gesperrt waren.«
Jetzt hat die Medienindustrie ihre Lobby-Macht spielen lassen und zuerst die US-Amerikanischen Republikaner dazu gebracht, das “SOPA” Gesetz auf den Weg zu bringen. Statt den Straftätern, die illegales Material ins Netz stellen, mit Strafe zu drohen, sollten alle Internet-User überwacht werden, ob sie illegales Material downloaden. Ein immenses Überwachungs-System hätte aufgebaut werden sollen, um die harmlosen Downloader zu bestrafen - aber die eigentlichen Kriminellen, die geschütztes Material illegal ins Netz stellen, wären verschont geblieben. Weltweiter Protest hat diesen absurden Ansatz zunächst gestoppt.
Ebenfalls von USA und Canada initiiert ist das weltweite Abkommen “ACTA”, das dieser Tage auch in Deutschland zur Unterzeichnung vorgesehen war. Nachdem Länder wie Tschechien, Polen und die Slowakei eine Unterzeichnung verweiget haben, hat nun auch Außenminister Westerwelle die deutsche Unterzeichnung erst einmal gestoppt. Weitere Proteste werden aber wohl trotzdem nötig sein, um diesen Stop auch nachhaltig durchzusetzen.
Die Politiker entwickeln unter Lobby-Einfluss wahrlich die abstrusesten Ideen: Statt diejenigen zu verfolgen und bestrafen, die illegal urheberrechtlich geschütztes Material im Internet bereitstellen, wollen sie den normalen Internet-User durch die Provider überwachen lassen, ob er solches Material herunterlädt. Dass wir alle dabei massiv in unserem Surfverhalten ausspioniert werden - wer will glauben, dass die Politiker diesen Hintergedanken nicht auch hatten?
Wir Bürger wollen uns aber nicht bespitzeln lassen, nicht per SOPA nicht per ACTA! Wann lernen die Politiker das endlich?
Am 11. Februar gab es weltweit Proteste gegen ACTA - die Karte zeigt (nur) die Protestorte in Europa.

Quelle und Liste der Orte: http://bitly.com/acta-karte bei google maps